Situationsansatz
Der Situationsansatz ist ein Bildungskonzept für den Elementarbereich, das die jeweiligen aktuellen Bedingungen einer Einrichtung berücksichtigt und entscheidend in die Umsetzung einbezieht: die persönliche Lebenssituation der Kinder und ihrer Familien, Bedürfnisse von Kindern und Eltern, die soziale Situation im Einzugsgebiet, Wertorientierung des Trägers und räumliche Gegebenheiten der Einrichtung. Das Menschenbild des Situationsansatzes geht davon aus, das Kinder in der Lage sind, ihre Entwicklung aktiv zu steuern. Sie haben von Anfang an Kompetenzen, um ihre Umwelt altersgemäß zu beeinflussen und zu gestalten.
Die meisten Situationen nimmt die ErzieherIn zur Kenntnis und auf manche geht sie spontan ein. In ihrer pädagogischen Kompetenz liegt es herauszufinden, welche Situation für die Kinder eine so große Bedeutung hat, dass es gerechtfertigt ist, sie zu einem kleineren oder größeren Projekt auszuweiten.
Die Hauptziele sind Autonomie, Solidarität und Kompetenz. Unter Autonomie wird im Situationsansatz verstanden, die Selbstbestimmung und die Eigenständigkeit des Kindes zu fördern. Hierzu gehört auch die Partizipation, also die Beteilung und Mitbestimmung. So lernen die Kinder immer besser ihre Stärken und Fähigkeiten kenne und einschätzen.
- Lernen heißt selbst bestimmt und eigenaktiv zu forschen, zu experimentieren und zu entdecken – „das Kind muss die Welt nicht als etwas Vorgefundes erfahren, es muss sie neu erfinden“. Lernen im Situationsansatz erfolgt in Sinnzusammenhängen, die für Kinder nachvollziehbar sind. Nicht das isolierte Training von Zahlen und Fakten, sondern das sachbezogene Lernen in sozialen Zusammenhängen steht im Vordergrund. Der Situationsansatz enthält ganz ausdrücklich einen Bildungsanspruch, der, würde man den Ansatz nur auf soziales Lernen reduzieren, verloren ginge. Es ist deshalb wichtig, Situationen darauf zu befragen, welches Bildungspotenzial in ihnen steckt, welche Chance sie im Sinne des forschenden, entdeckenden Lernens enthalten. Ältere Kinder können ihr Wissen und ihre Fähigkeiten durch Vermittlung an die jüngeren Kinder erproben und jüngere Kinder lernen auf vielfältige Weise von den älteren.
- Öffnung nach außen: Wenn ein Kindergarten nach dem Sitationsansatz arbeit, ist er an der Beteilung der Eltern und anderer Erwachsener interssiert.
- Partizipation: Das bedeutet, Kinder herauszufordern und sie an den Entscheidungen, die sie betreffen, altersgemäß zu beteiligen.
- Gemeinwesenorientierung: Der Kindergarten nutzt auch die vielfältigen Möglichkeiten des Gemeinwesens.
- Die Tageseinrichtung als gestalteter Raum: Die Tageseinrichtung ist Lebens- und Erfahrungsraum für Kinder in jeder Hinsicht.
- Integration: Es macht keinen Sinn, Kindern auf Grund einer besonderen sozialen Situation oder Behinderung in getrennten Einrichtungen zu betreuen, wenn sie sich in einer Tageseinrichtung genauso weiterentwickeln können. Im Gegenteil fördert die gemeinsame Betreuung von Kindern mit und ohne Einschränkungen/Behinderung alle gleichermaßen. Im täglichen Zusammenleben lernen Kinder, selbstverständlich mit Menschen mit einer Behinderung umzugehen. Auch dies gehört zum notwendigen Weltwissen von Kindern.
- Interkulturelles Lernen: Zur Lebenssituation von Kindern gehört auch, dass sie mit unterschiedlichen Wertvorstellungen und Lebensweisen konfrontiert werden. Das bedeutet, mit der multikulturellen Situation in unserer Gesellschaft umgehen zu lerenen und die Chancen zu erkennen, die in einer solchen Pluralität liegen. Interkuklturelle Erziehung verwischt Ungleichheiten nicht, sondern ermöglicht eine Auseinandersetzung mit der Vielfalt von Lebensmöglichkeiten.
- Teamarbeit: Nur durch geplante, gezielte und reflektierte Zusammenarbeit des Teams lässt sich der Situationsansatz umsetzen.
Methodisches Vorgehen: Der Sitationsansatz geht von vier Planungsschritten aus:
- Auswahl der Schlüsselsituation und Situationsanalyse
- Zielentscheidung
- Methodische Umsetzung
- Auswertung
Rolle der ErzieherIn: Die ErzieherIn ist dafür verantwortlich, dass Kinder etwas erleben und erfahren und auf diese Weise lernen. Sie ist es, die dafür sorgt, das Kinder in ihren Erfahrungszusammenhängen aktiv werden und handeln können. Denn der Kindergarten wird seinem Bildungsauftrag erst dann gerecht, wenn Kinder Erkenntnisse erwerben können, die ihnen helfen, Anforderungen zu bewältigen – jetzt sofort und auch in Zukunft, wenn sie vor ähnlichen Situationen stehen.
Mit vielen Situationen kommen Kinder allein zurecht und oft helfen sie sich gegenseitig. Grundsätzlich aber brauchen sie Erwachsene, die sich mit ihnen auf den Weg machen, um ein Problem aufzuarbeiten. Von ErzieherInnen wird deshalb erwartet, auch eigene Ideen und Vorschläge einzubringen, die auf konkrete Beobachtungen an Kindern beruhen. Es gilt letztendlich, aus Situationen Bildungsinhalte „herauszufiltern“ und daraus „Lernstoff“ zu entwickeln, der auf die Lebensbedingungen der jeweiligen Kinder abgestimmt ist.
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