Der Kindergarten Kampen ist „reggio-orientiert“ gestaltet. Die folgenden Grundsätze der Reggio-Pädagogik sind hier theoretisch aufgeführt und finden sich im Kindergartenalltag in verschiedener Weise wieder. Sie ergänzen den Situationsansatz.
1. Das Kind baut sich seine individuelle Wirklichkeit selber. Die Kinder bilden sich im sozialen Umfeld selber. Sie sind von Anfang an in der Lage, sich mit ihrer Umwelt auszutauschen und machen sich von Geburt an durch sinnliche Erfahrungen ein eigenes Bild von der Welt.
2. Ein Teil ihres Wissens erwerben Kinder in der Gemeinschaft anderer Kinder. Kinder bekommen Unterstützung für die Bildung kleiner Gruppen und die Möglichkeit, sowohl Beziehungen mit Gleichaltrigen einzugehen als mit Kindern anderer Entwicklungsstufen.
3. „Das Kind hat hundert Sprachen“. Die verschiedenen Möglichkeiten der Sinneserfassung bilden die Grundlage für die vielen Sprachen der Kinder. Damit ihre Sinneserfahrungen zu einer Sprache werden können, brauchen Kinder Materialien, Werkzeuge, Rollen- und darstellendes Spiel, Musik, bildende Kunst und auch symbolische Strukturen.
4. Lernen in Projekten: Die thematischen Projekte entstehen aus Beobachtungen, Erlebnissen, Gesprächen und Impulsen der Kinder wie der Erwachsenen. Sie wachsen als Projekte, wenn im Prozess der kindlichen Aktivität die Fragen der Kinder Zeit, Raum und Material erhalten. Den Erwachsenen kommt die Rolle des dialogischen Begleitens zu.
5. Die Dokumentation dient der Ideensammlung und als kollektives Gedächtnis. Dokumentation ist eine Weise des professionellen Handelns sowie eine Möglichkeit zur Selbst-Evolution. Lernen wird so sichtbar.
6. Das Selbstverständnis der ErzieherInnen und die Bedeutung des Teams: Die Anerkennung der Selbständigkeit ist Grundlage des pädagogischen Handelns. ErzieherInnen sind kompetente PartnerInnen in kindlichen Forschungsprozessen. Die Mitarbeiterinnen arbeiten miteinander, reflektieren ihre Arbeit sowohl im Team als auch mit anderen Einrichtungen. Sie erhalten Praxisberatung und bilden sich kontinuierlich fort. Regionaler, nationaler und internationaler Austausch wird angestrebt.
7. Der Raum als „dritter Erzieher“: Räume wirken als reichhaltige, vorbereitete Umgebung, die den Kindern sowohl Anregung und Herausforderung bieten, als auch Geborgenheit und Rückzugsmöglichkeiten. Sie können als Gruppenräume strukturiert sein, wie auch als Funktionsräume, z. B. Räume für Atelier, Bewegung, Entspannung etc. Einrichtung und Material haben durch die Präsentation Aufforderungscharakter, bieten ordnende Orientierung, ermöglichen unterschiedliche Perspektiven, fordern die Wahrnehmung heraus und laden zum forschenden Lernen ein.
8. Lebensgemeinschaft auf Zeit mit Müttern und Vätern: Sie sind die Dialog- und Erziehungspartner des Teams. Die Lebenslage der Familie sowie ihre Kompetenzen sind wichtige Bezugspunkte des pädagogischen Handelns.
9. Gemeinwesenorientierung: Der Kindergarten ist Bestandteil des öffentlichen Lebens und kooperiert mit anderen Institutionen. Die Verknüpfung der Erfahrungen der Kindergarten-Kinder mit dem Gemeinwesen, in dem sie leben, und die Offenheit des Kindergartens gegenüber Eltern, Nachbarn und Experten sind wesentlicher Bestandteil der elementarpädagogischen Arbeit. Die Arbeit im Kindergarten steht dabei in Wechselwirkung mit der Umgebung. Die Erfahrungen der Kinder mit Kunst und Kultur, Verkehr und Kommunikation, Handwerk und Gewerbe, Bildung und Forschung realisieren sich sowohl in dem Austausch von Personen und Orten außerhalb des Kindergartens als auch in dem Hineinholen von Repräsentanten dieser Bereiche.
10. Die Rechte der Kinder: Jungen und Mädchen gestalten den Kindergartenalltag mit. Interkulturelle Kompetenzen aller Kinder werden gefördert und Kinder mit besonderen Bedürfnissen berücksichtigt. Entsprechend der UN-Kinderrechtskonventionen setzen wir uns für die Anerkennung der Rechte und Potenziale der Kinder ein.
11. Konzeptionelle Weiterentwicklung: Der Kindergarten ist eine ständig im Wandel befindliche lernende Organisation. In diesem Zusammenhang überprüft das Team in regelmäßigen Abständen seine Praxis und nimmt im Hinblick auf die Umsetzung der genannten Punkte notwendige Veränderungen vor.
Quelle: Verein zur Förderung der Reggio-Pädagogik in Deutschland e.V.
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